← Alle Beiträge

Die ersten Rahmen
pete john · 11.09.2026

Die ersten Rahmen

Heute war ich bei Boesner Kunstbedarf und habe die ersten Rahmen und Passepartouts für die Achter-Serien ausgesucht. Nicht, um sie schon fertigzustellen — das passiert kommende Woche. Sondern um vorher etwas zu sehen, das sich am Bildschirm nicht sehen lässt: wie acht Polaroids wirken, wenn sie wirklich im Rahmen liegen.

Auf dem Foto liegt ein weißer Rahmen auf der Schneidematte, darin ein Passepartout, und unter dem Passepartout lugt ein Zipfel Farbe hervor. Das ist eines der Polaroids, nur hineingelegt, nichts ist montiert, nichts geklebt. Eine Probe. Das leere Rechteck in der Mitte ist der Ort, um den es geht.

Warum diese Probe? Weil Proportionen lügen, solange sie nur gedacht sind. Wie breit muss der weiße Rand sein, damit das Polaroid mit seinem eigenen Rand nicht doppelt gerahmt wirkt? Wie eng dürfen acht Bilder nebeneinander stehen, damit sie eine Folge bleiben und keine Tapete werden? Das lässt sich nur mit dem echten Material im echten Rahmen entscheiden, in der Hand, im Licht — nicht am Monitor.

Das Passepartout ist dabei kein Schmuck. Es ist der Abstand, den ein Bild braucht, um angesehen zu werden statt begafft. Der weiße Rand sagt dem Betrachter: bleib einen Schritt zurück. Bei diesen Aufnahmen ist dieser Schritt keine Höflichkeit, sondern Voraussetzung.

Und der Rahmen ist das, womit ich als Konzeptkünstler eigentlich arbeite: mit Dingen, die bleiben. Ein Polaroid allein ist ein Stück Chemie auf Papier, das in einer Schublade verschwindet. Im Rahmen wird daraus ein Werk, das hängt, das weitergegeben wird, das jemanden überdauert. Die Fragilität bleibt — sie bekommt nur eine Form, in der man sie ernst nimmt.

Die Probe hat gehalten. Kommende Woche werden die ersten Serien in genau diesen Rahmen fertiggestellt.

Blog als RSS abonnieren

💬